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Der Marshall-Plan – die ganze Wahrheit Teil 1

Deutschland hat den Ersten Weltkrieg verloren. Die Ursachen dieses Krieges sind im Hochimperialismus vor dem Hintergrund der Industriellen Revolution und einer damit verbundenen Bevölkerungsexplosion zu suchen. Wirtschaftliche, politische, koloniale und imperiale Interessen in Europa, Amerika und Japan führten zu zahlreichen Krisen, die letztlich im Ersten Weltkrieg mündeten.

Die Kriegserklärung kam von der Österreich-Ungarischen Monarchie, der Kriegsauslöser war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914. In dieser Krisensituation erhielt Kaiser Franz Joseph ein Treuebekenntnis des deutschen Kaisers Wilhelm II. der ihm versicherte, „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen“. Dieses Bekenntnis des deutschen Monarchen gilt bis heute als Blankocheck an die Österreicher.

Geschichtsschreibung ist keine Naturwissenschaft, sondern immer auch politisch und ideologisch geprägt. Daher ist auch die historische Bewertung des Ersten Weltkrieges von Land zu Land unterschiedlich. Schuld tragen sicherlich viele, „Kriegsbeginnler“ jedoch waren Österreich und Deutschland.

Diese haben mit ihren Verbündeten, den sogenannten Mittelmächten, den Krieg verloren.

Es folgte der Friedensvertrag von Versailles. Zitat Wikipedia: „Bereits am 11. November 1918 hatte der Waffenstillstand von Compiègne die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs beendet, nicht aber den Kriegszustand. Die deutsche Delegation durfte an den Verhandlungen nicht teilnehmen, sondern konnte erst am Schluss durch schriftliche Eingaben wenige Nachbesserungen des Vertragsinhalts erwirken. Der Vertrag konstatierte die alleinige Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für den Ausbruch des Weltkriegs und verpflichtete es zu Gebietsabtretungen, Abrüstung und Reparationszahlungen an die Siegermächte. Nach ultimativer Aufforderung unterzeichnete Deutschland am 28. Juni 1919 den Vertrag unter Protest im Spiegelsaal von Versailles. Nach der Ratifizierung und dem Austausch der Urkunden trat er am 10. Januar 1920 in Kraft. Wegen seiner hart erscheinenden Bedingungen und der Art seines Zustandekommens wurde der Vertrag von der Mehrheit der Deutschen als illegitim und demütigend empfunden.“

Unterschriften unter den Friedensvertrag von Versaille
Unterschriften unter den Friedensvertrag von Versaille

Der Versailler Vertrag brachte keine Ruhe in Europa, zumal ein Friedensvertrag, der angelegt wurde um Deutschland für die Zukunft klein zu halten und zudem von ständigen Drohungen geprägt war, bei Deutschland und seinen Verbündeten wohl auch keine Akzeptanz finden konnte. Der Versuch Deutschland zu maßregeln und wirtschaftlich zu schwächen, führte letztlich zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und zur erneuten, zunächst heimlichen Aufrüstung.

Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war keine, die von Diplomatie und demokratischen Prozessen geprägt war. Die Ursachen für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren genauso vielschichtig wie die des Ersten Weltkrieges.

Erneut brach Deutschland einen Krieg vom Zaun, den wohl grauenhaftesten in der Weltgeschichte. Jedoch steuerten auch 1939 die europäischen Mächte in sturer Beharrlichkeit, und die Kriegsgefahr im Blick, in den Konflikt.

Den Ausgang des Zweiten Weltkrieges kennen wir alle: Deutschland und seine Verbündeten haben ihn erneut verloren.

Als die deutsche Niederlage Ende 1944 absehbar war, trafen sich die alliierten Staatschefs Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich) und Josef Stalin (UdSSR) vom 4. Bis 11. Februar 1945 auf der Krim im dortigen Badeort Jalta. Zur Debatte, in dieser diplomatischen Konferenz, stand eine Aufteilung Deutschlands in mehrere Staaten, in eine Dismembration.

Die Verhandlungen waren sehr schwierig, denn die Alliierten konnten sich mit den sowjetischen Vertretern nicht auf die vollständige Zerschlagung Deutschland im völkerrechtlichen Sinne einigen.

Im März 1945 einigten sie sich darauf, Deutschland nicht zu vollständig zu zerstückeln, sondern das nach Abtrennung der deutschen Ostgebiete verbliebene Territorium als Einheit zu behandeln. Deutschland wurde zunächst in drei, später dann in vier Besatzungszonen aufgeteilt – die Französische Besatzungszone wurde aus Teilen der anderen beiden Zonen der Westalliierten gebildet. Ebenso wurden eine Sektorengrenzen in der Hauptstadt Berlin gezogen.




Es kam jedoch zu weiteren Diskrepanzen zwischen den alliierten Westmächten und der Sowjetunion. Die Alliierten hatten seit dem Beginn ihrer Bombenangriffe 1941 systematisch versucht die deutsche Industrie nachhaltig zu zerstören. Doch sie mussten einsehen, dass ihnen das nur sehr begrenzt gelang. Um die Moral der Deutschen zu brechen wurden insbesondere 1944 – 1945 deutsche Städte und deren Zivilbevölkerung bombardiert. Diese Strategie der zerstörten Städte zeigte Wirkung, sie unterlief jedoch die Genfer Konventionen und somit das humanitäre Völkerrecht, das den Schutz der Zivilbevölkerung garantieren soll.

Dennoch waren die Alliierten der Überzeugung, der deutschen Industrie schwersten Schaden zugefügt zu haben, was sich als Fehleinschätzung herausstellen sollte.

Auch war es den Alliierten, allen voran den US-Amerikanern, wohl schon lange vor Kriegsende klar, dass es nach dem Krieg zu wirtschaftlichen und ideologischen Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen Kapitalismus und Sozialismus kommen würde.

Dieses Wissen führte zu ersten erheblichen Diskrepanzen zwischen Amerikanern und Sowjets. Die künftigen Hoheitsgrenzen im besiegten Deutschland waren zwar festgeschrieben, dennoch wagten sich die schneller vordringenden US-Amerikaner tief in die zukünftige sowjetische Zone hinein. Offizieller Tenor waren die Kampfhandlungen gegen die versprengten restlichen Militäreinheiten der Nationalsozialisten sowie die Befreiung von KZ-Angehörigen und Zwangsarbeitern. Jedoch lag ein wesentlicher Schwerpunkt des Handelns der amerikanischen Einheiten in der vereinbarten sowjetischen Zone auch darin, technisches, militärisches und industrielles deutsches Knowhow vor dem Zugriff der Sowjetunion zu sichern und außer Landes zu schaffen. Ähnlich wurde auch mit deutschen Wissenschaftlern und Spezialisten sowie deutschem Kulturgut verfahren.

Dieses US-amerikanische Vorgehen führten zu schweren Dissonanzen zwischen den beiden Großmächten und Kriegsgewinnlern.

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Als der Krieg zu Ende war, trafen sich die Vertreter der Siegermächte auf der Potsdamer Konferenz und die gegensätzlichen Ansichten und Ziele wurden deutlich sichtbar. Zu dieser Zeit bestand noch ein Konsens über die Forderung von Reparationen von Deutschland, deren Höhe aber umstritten war. Von den Alliierten wurde 1945 noch der Morgenthau-Plan favorisiert. Er sah vor Deutschland zu entindustrialisieren und zu einem Agrarland zu machen. Das sollte langfristig verhindern, dass Deutschland je wieder einen Angriffskrieg führen könne. Durch den Abbau der Industrieanlagen als Reparationen sollte der Wiederaufbau in Europa zudem finanziert werden. Doch die Sowjetunion willigte in diesen Plan, in dem sie zudem nur als eine Art Juniorpartner der USA auftreten sollte, nicht ein. Die Sowjets hatten mit den östlichen Teilen Deutschlands anderes vor!

Mehr dazu demnächst.

Der Nebelwerfer – erste Raketenwerfer der Welt

Rudolf Nebel war einer der führenden Raketenpioniere weltweit. Wenig ist heute von dem 1894 im bayerischen Weißenburg geborenen Diplom-Ingenieur noch bekannt, was wohl daran liegt, dass er sich nicht, wie die meisten seiner Kollegen, vom NS-Regime instrumentalisieren ließ. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte er für wenig Schlagzeilen und lebte vorrangig von Vorträgen über Raketentechnik. Dennoch war er für die deutsche Raketenentwicklung einer der Hauptakteure und zugleich Lehrmeister von Wernher von Braun. Nebels Leistungen auf dem Raketensektor sollen jedoch heute nicht Inhalt meines Beitrags sein.
Rudolf Nebel war auch, bevor ihn das Raketenfieber erfasste, ein begeisterter Flieger. Im Jahr 1913 begann er ein Ingenieurstudium an der TU München. Dann brach jedoch der Erste Weltkrieg aus und Nebel musste sein Studium unterbrechen. Da er bereits 1912 das Pilotenpatent erworben hatte, meldete er sich freiwillig zum Militär, in der Hoffnung zu den Fliegern zu kommen.
Seinem Wunsch wurde zunächst nicht entsprochen; noch immer wurde den Flugzeugen kein Kampfwert zugesprochen, sie dienten – wenn überhaupt – nur der Luftaufklärung. Einen Giftgasangriff bei Arras überlebte er nur knapp und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Leutnant befördert.
Es kostete Nebel jedoch viel Mühe und Überzeugungsarbeit, bis er endlich am 27. Januar 1916 zur Fliegerersatzabteilung nach Unterschleißheim abkommandiert wurde. Dort absolvierte er alle vorgeschriebenen Ausbildungen und Prüfungen bis er im August 1916 endlich das Militärflugzeugführer-Abzeichen bekam und dann an die Front nach Somme abkommandiert wurde.
Dort angekommen spürt er sehr schnell, wie übermächtig die feindliche Luftüberlegenheit war. Nebel beschreibt die Flieger als „Mädchen für alles“: Sie waren zugleich Fernaufklärer, Nahaufklärer, Artillerieflieger, Schlacht- und Bombenflieger und Jagdflieger. Doch nun hatte das Oberkommando die Situation erkannt und begann das Wirrwarr aufzulösen und Spezialverbände zu gründen. Das war auch die Geburtsstunde der Jagdstaffeln. Nebel meldete sich freiwillig zur Jagdstaffel Jasta 5, die von Oberleutnant Berr befehligt wurde.
Tod und Verwundung gehörten damals bei der Jagdfliegerei zur Tagesordnung. Man bedenke: Abgesehen vom Motor bot ein Flugzeug in den Luftkämpfen fast keine Deckung. Um wirksam einen Luftgegner bekämpfen zu können musste man sich ihm bis auf mindestens 20 Meter nähern. Rudolf Nebel hat einen seiner frühen Luftkämpfe dokumentiert: „……Wir rasten zu den „Halberstädtern“, knüpften im Laufen die Jacken zu, während die Monteure die Maschinengewehre einschossen. Der Himmel hing voller dunkler Flakwolken, als unser Geschwader die Front erreichte. Staffelführer Berr, dessen Einsitzer durch 2 rote Wimpel an den Tragflächen leicht zu erkennen war, schoss in derselben Sekunde eine grüne Leuchtkugel ab, als wir die „Gitterschwänze“ der Engländer unter uns sahen. Im Sturzflug rasten wir auf die Übermacht zu. Gegen zahlenmäßige Überlegenheit der Gegner half nur eine mächtige Kurbelei und der immer neue Versuch, einzelne Maschinen des Gegners vom Geschwader abzudrängen. Doch an diesem Morgen half keine Geschicklichkeit. Ich drängte gerade einen englischen Piloten Richtung Westen ab, als mir plötzlich Kugeln um die Ohren pfiffen. Ich konnte mich gerade noch umsehen und erkennen, dass zwei Vickers sich hinter mich gesetzt hatten. Gleichzeitig lösten sich Fetzen von meiner Maschine, die „Halberstädter“ wurde steuerlos und trudelte der Erde zu. Es krachte. Mein nächster Eindruck war eine grellrote gemusterte Bettdecke, die kahlen Wände einer Steinbaracke und ein polternder Sanitäter. Ich lag dick verbunden in einem Feldlazarett.“
Der lange Lazarettaufenthalt gab Nebel die Möglichkeit, über seine Kampfeinsätze sowie eine künftige Strategieänderung nachzudenken. Ihm war klar geworden, dass man den lebensgefährlichen Abstand in der Luft vergrößern müsste. Es kam ihm sein ehemaliger Nürnberger Mathematiklehrer Prof. Hess in den Sinn, der einmal vom Kriegseinsatz von Raketen im alten China berichtet hatte. Das war die Idee! Nebel ließ sich Papier und Bleistift bringen, um seine Vorstellungen zu skizzieren. Er wollte Rohre unter seine Tragflächen montieren, diese mit Pulverraketen füllen, welche er aus dem Cockpit zünden konnte – eine Art Raketenwerfer also, doch diesen Begriff kannte man damals noch nicht.
Am nächsten Tag besorgte er sich das notwendige Material und baute sich seine Raketen unter die Tragflächen seiner Maschine. Dazu installierte er zwei Ofenrohre, füllte diese mit Pulverraketen und Sprengköpfen und verlegte Zündkabel ins Cockpit.
Tags darauf erwartete Nebel gespannt seinen Flugeinsatz. Was er dann erlebte, schilderte Nebel wie folgt: „25 Flugzeuge stiegen auf. Ich achtete nicht mehr auf meine Staffelkameraden, die schneller steigen konnten als mein Flugzeug mit seinen vier Ofenrohren. Zu Überlegungen war keine Zeit. Ich flog direkt auf einen feindlichen Verband zu und drückte automatisch auf einen kleinen Knopf am Steuerknüppel. Es war eine enorme Entfernung (über 328 Fuß = 110 Meter), verglichen mit dem üblichen Gefechtsbereich. Unter meinen Tragflächen tanzte ein Feuerwerk, dann schoss ein riesiger Rauchschweif durch die englische Schwadron. War ich erfolgreich? Tatsächlich! Ein englischer Pilot führte mit seinem Doppeldecker einen Sturzflug durch und landete auf dem nächsten Feld. Ich folgte ihm, indem ich abdrosselte und 20 Meter entfernt landete. Der Tommy versuchte nicht den Trick, sich zu ergeben und dann in letzter Minute zu entkommen. Die neue Waffe hatte ihn derart erschreckt, dass er sich ohne Widerstand ergab. Acht Tage später entdeckte ich bei einem erneuten Kampfeinsatz, dass die Ofenrohre mehr als nur eine moralische Wirkung hatten. Während dieser Operation zerschoss ich den Propeller einer feindlichen Maschine, die abstürzte…“
Ein weiterer Raketeneinsatz von Nebel ging jedoch schief, die Maschine fing Feuer und er musste notlanden. Nebel wurde zwar für seine zwei Luftsiege mit dem EK 1 ausgezeichnet, gleichzeitig wurden ihm jedoch weitere Raketeneinsätze verboten. Am Abend fand zu diesem Anlass eine Feier statt. Die Jagdpiloten saßen zusammen und becherten, als man darauf kam, dass Nebels Raketenkonstruktion eine waffentechnische Revolution sei und daher einen eigenen Namen bekommen müsse. Diesen fand Hermann Göring – der bayerische Leutnant mit der dröhnenden Stimme – der dazu eine kleine Ansprache hielt: „Ich habe es genau gesehen, ich bin nämlich direkt neben Nebel geflogen, als die Dinger losflitzten. Was Nebel da gemacht hat, war kein Schuss, sondern ein Wurf. Ich habe genau gesehen, wie die Signalraketen sich flatternd vom Flugzeug gelöst haben. Sie sahen aus wie Geschosse eines Minenwerfers. Deshalb schlage ich vor, dass wir die Waffe auf den Namen „Nebelwerfer“ taufen.“ Görings Vorschlag wurde begeistert angenommen.
So entstand der Begriff Nebelwerfer für den ersten Raketenwerfer der Welt. Dieser Begriff wurde übrigens dann im 2. Weltkrieg wieder reaktiviert, aber das ist ein anderes Thema.