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Die Beutekunst der Nationalsozialisten Teil 2

Die sowjetischen wie auch die US-amerikanischen „Beutekunstsucher“ folgten jedoch nicht nur ihrer Kulturmission, sie arbeiten leider, jedoch nachvollziehbar, auch im eigenen und mitunter persönlichen Interesse. Den es ging nach Kriegende nicht nur um Sicherung der Beutekunst sondern leider teilweise auch um sogenannte Wiedergutmachung und auch um persönliche Bereicherung. Denn es waren nicht nur geraubte Kunstgüter in Deutschland versteckt worden, sondern auch Kunstgüter, die vor den Nazis, vor den Alliierten oder auch vor anderen Räubern in Sicherheit gebracht werden sollten. So beispielsweise auch der Quedlinburger Domschatz, von dem große Teile Schenkungen der Ottonischen Kaiser waren. Es handelt sich dabei um einmalige Kunstwerke sowie kunsthandwerkliche Stücke, die vorrangig aus dem Früh- und Hochmittelalter stammen. Bereits 1943 waren die wertvollsten Teile des Domschatzes in einer Höhle bei Quedlinburg unter der Altenburg versteckt worden. Am 19. April 1945 besetzten dann amerikanische Truppen Quedlinburg. Die Verantwortung für die Höhle und den Schatz bekam der US-Leutnant Joe Tom Meador (* 30. Juni 1916, † 1. Februar 1980) übertragen. Dieser kunsthistorisch bewanderte Offizier erkannte die Bedeutung des Schatzes und entschloss sich die wertvollsten 21 Stücke davon zu stehlen und per Feldpost in seinen Heimatort nach Texas zu schicken. Gedacht, getan: 1980 verstarb Meador jedoch und die Schatzstücke befanden sich noch immer in Texas. Seine Erben versuchten die Kunstwerke auf dem internationalen Kunstmarkt zu verkaufen. Um Beutekunst im eigentlichen Sinne des Wortes handelte es sich hierbei jedoch nie, da der Diebstahl die Tat eines einzelnen Individuums war und nicht auf Befehl der US-amerikanischen Besatzungsbehörden erfolgte.

Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg
Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg

Der Kunsthistoriker Willi Korte entdeckte die Stücke auf dem Kunstmarkt und kämpfte nach der Wiedervereinigung um die Rückkehr nach Deutschland. Es wurde ein langes juristisches Ringen, das letztlich mit einem Vergleich abgeschlossen wurde. 1993 kehrten die gestohlenen Stücke des Quedlinburger Domschatzes nach Quedlinburg zurück, wo sie in der romanischen Stiftskirche St. Servatius zusammen mit den anderen Schatzstücken ausgestellt werden. Alle Beutestücke ließen sich jedoch nicht wieder auffinden und einige blieben bis heute verschollen.
Reichsmarschall Hermann Göring, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Nationalsozialisten, hatte einen ausgeprägten Hang zu Luxus und Glamour. Sein repräsentatives, neohistorisches Anwesen Carinhall in der Schorfheide, nordwestlich von Berlin, ließ Göring im Innen- und Außenbereich mit vielen Kunstwerken ausstatten. Er trug eine Privatsammlung zusammen, die im Wesentlichen aus Raub- und Beutekunstwerken bestand und von beträchtlichem Wert war: auf 50 Millionen Mark belaufen sich die Schätzungen.
Anfang 1945 ließ Göring Carinhall sprengen. Zuvor schaffte er die wertvollsten Stücke seiner Sammlung in Sonderzügen nach Berchtesgaden: aber eben nur die wertvollsten. Es heißt, seine Mannschaft habe sich dann noch reich bedient und vieles auf dem Gelände versteckt.
Dann kamen die Sowjets, inspizierten kurz das gesprengte Objekt und planierten es. Dennoch ist das Gelände, das nochmals nach der Wiedervereinigung von der Brandenburger Landesregierung planiert wurde, ein Schatzsuchereldorado. Wohl nicht ganz zu Unrecht, denn es werden immer wieder neue Funde bekannt. Zumal wohl von den zahlreichen unterirdischen Anlagen wenig bekannt. Im angrenzenden Großen Döllnsee, wurden von Tauchern des Innenministeriums drei Skulpturen des Bildhauers Arno Breker gefunden, auch der Kopf einer antiken Statue soll gefunden worden sein. Schatzsucher buddelten in den vergangenen Jahren silberne Serviettenringe, Silberlöffel, Orden und griechische Vasen aus. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/16689038 ©2017. Es werden auf dem Gelände noch zahlreiche „Schätze“ vermutet, bis hin zum Bernsteinzimmer, dass dort mehrfach gesucht wurde. Jedoch findet das Land Brandenburg bisher keinen Umgang mit der Geschichte von Carinhall. Und da das Graben nach Görings Schätzen juristisch als Raubgraben angesehen wird, werden wir von Funden wohl auch nur mit viel Glück etwas erfahren. Jedoch hat man mit Totschweigen noch nie ein Problem lösen können.
Görings Kunstsammlung wurde schon auf dem Transport sowie bei der Einlagerung in Berchtesgaden stark geplündert. Schon 1943 hatte er einen Teil seiner Sammlung ins Salzbergwerk Altaussee schaffen lassen. Alle noch auffindbaren Kunstwerke aus Görings Sammlung wurden von den US-Amerikanern beschlagnahmt und in die zentrale Sammelstelle nach München geschafft.
Von den geheimen Einlagerungsstätten der Nationalsozialisten für ihre Raub- und Beutekunst ist erschreckend wenig bekannt. Auch über das Salzbergwerk bei Heilbronn wurde nur wenig publiziert, obwohl es das wohl größte Depot darstellte. Der Film „Monuments Men“ rief die Einlagerungsstätte dann als „Schatzkammer der Kunst“ ins Gedächtnis zurück. Zuvor hatte bereits 1997 der Heilbronner Archivdirektor Christhard Schrenk ein 400seitiges Werk mit dem Namen „Schatzkammer Salzbergwerk“ herausgegeben, das jedoch seit langer Zeit nicht mehr im Handel erhältlich ist. Schrenk hat darin den Ablauf und den Umfang der Kunsteinlagerungen minutiös dargestellt. Dabei war die Faktenlage dünn, die Unterlagen und Akten waren überall verstreut, genauer, wenn auch nicht immer ganz korrekt waren die amerikanischen Quellen und Augenzeugenberichte. 40 000 Kisten mit Kunstgegenständen sollen es gewesen sein, die dort in Heilbronn eingelagert waren und den Amerikanern in die Hände fielen.
Dennoch muss der Autor eingestehen, dass sich über die Inventarlisten die Kisteninhalte nur bruchstückhaft ermitteln lässt. Dennoch konnte Schrenk dokumentieren, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Einlagerungen imponierend war.
Nach langem Häuserkampf war Heilbronn am 12. April 1945 endgültig von den Amerikanern eingenommen worden, nur vier Tage später traf hier, so recherchierte es Schrenk, James R. Rimorer als zuständiger Kunstschutzoffizier ein. Zunächst jedoch sicherte er Kunstschatz-Depots in Neuschwanstein, auf Herrenchiemsee sowie bei Memmingen. Die Kunstschatz-Offiziere sicherten und begutachteten die Heilbronner Kunstschätze. Erwähnt werden muss jedoch, das damals nur etwa zwei Prozent der aufgefundenen Kunstschätze als illegale Raubkunst eingestuft worden sind.
Wie groß die Anzahl der von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke ist, darüber kann bis heute nur spekuliert werden. Nicht anders sieht es bei der Anzahl der Kunstwerke aus, die an ihren ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben worden sind. Auch dazu gibt es keine Dokumentationen, nicht einmal verlässliche Zahlen: Die Schätzungen diesbezüglich bewegen sich zwischen 50 und 80 Prozent. Es gibt zudem jedoch auch Expertenmeinungen, die besagen, dass nur etwa ein Drittel der „Nazischätze“ bisher wiedergefunden worden ist.
Wo die noch vermissten Kunstobjekte abgeblieben sind darüber kann nur spekuliert werden. Ein Teil ist sicherlich noch immer in Depots versteckt, die bisher noch nicht aufgefunden wurden. Ein Teil wurde von den Nazis auch ins Ausland geschafft, insbesondere in die Schweiz. Auch die deutsche Bevölkerung hat sich an Plünderungen von Transporten beteiligt. So kamen beim Abtransport der Kunstschätze aus Heilbronn drei ganze LKWs samt Ladung abhanden. Zudem wird davon ausgegangen, dass noch heute zahlreiche geraubte Kunstwerke vergessen in den Archiven deutscher und österreichischer Museen ihrer Entdeckung harren.
Viele Kunstwerke verschwanden auch bei den Alliierten, insbesondere bei den US-Amerikanern und den Sowjets. Sol Chaneles, ein 1990 verstorbener Kunstraubforscher und Professor für Kriminalrecht der Rutgers University, New Jersey, berichtete über ein großes mit deutschem Kulturgut vollgestopftes Transportflugzeug, das im Sommer 1945 von München in die USA geflogen sei – was daraus geworden ist, ist bis heute ungeklärt. Chaneles berichtete ebenfalls von dem Verschwinden der Sammlung Schloss, einer Sammlung niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts, deren Bestände angeblich nun nach einem wahren Irrweg zwischen Vichy-Frankreich und den Nationalsozialisten im Depot der National Gallery in Washington liegen sollen. Es gab aber auch viele US-amerikanische Soldaten, die sich ohne Auftrag privat bereicherten, was auch auf Sowjetsoldaten zutrifft.




Von den Amerikanern wurde jedoch auch eine Vielzahl von Kunstwerken mitgenommen, die nicht der Raubkunst zugerechnet werden konnte. Insbesondere deutsche Archive und Bibliotheken wurden systematisch geplündert und wertvolle alte Bücher in die USA geschafft. Schon häufig bin ich bei Recherchen auf alte Bücher gestoßen, die in Deutschland nicht mehr vorhanden sind, jedoch von US-amerikanischen Universitäten eingescannt im Netz zu finden sind.
Zwar waren die Amerikaner, entgegen aller vorheriger Absprachen den Sowjets häufig zuvor gekommen, dennoch hatte die sogenannte sowjetische Trophäenkommission in ihren besetzten ostdeutschen Gebieten viele deutsche Kulturgüter beschlagnahmt und in die Sowjetunion verbracht. Auch diese Kunstgüter stammten nur zu einem geringen Teil aus Raubgutbeständen. Die Sowjets betrachteten deutsche Kulturgüter ganz einfach als Reparationsobjekte.
Zwar wurden bereits 1955 die in der Sowjetunion eingelagerten Bilder der Dresdner Gemäldegalerie zurückgegeben, doch erst 1992 hob die russische Regierung die jahrzehntelange strenge Geheimhaltung der in geheimen Magazinen versteckten „Beutekunst-Bestände“ auf. In einem deutsch-russischen Vertrag wurde vereinbart, „unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter an den Eigentümer“ zurückzugeben. In der Folgezeit führte in Russland die Behandlung des Beutekunst-Problems zu massiven innenpolitischen Auseinandersetzungen. Mehrfach erklärte die Duma gegen den Widerstand von Präsident Boris Jelzin die Beutekunst zum ständigen Eigentum Russlands. Die Beutekunstfrage gilt als ein wesentliches, derzeit noch immer ungelöstes Problem in den deutsch-russischen Beziehungen.
In den 1990er Jahren gingen das Puschkin-Museum und das Historische Museum in Moskau sowie die Eremitage in Sankt Petersburg dazu über, Beutekunst-Bestände aus den Geheimlagern herauszuholen und in Ausstellungen öffentlich zu zeigen. So zeigte 1995 die Eremitage französische Gemälde des 19. Jahrhunderts aus den Sammlungen von Friedrich Carl Siemens (1877–1952), Eduard von der Heydt, Alice Meyer (Witwe von Eduard Lorenz Lorenz-Meyer), Otto Gerstenberg, Otto Krebs, Bernhard Koehler und Monica Sachse (Witwe von Paul Sachse). Ein Jahr später folgte dort die Ausstellung mit Meisterzeichnungen aus deutschen Privatsammlungen. 1996 zeigte das Puschkin-Museum den so genannten Schatz des Priamos und 2007 die merowingerzeitlichen Funde aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, darunter die Schwertscheide von Gutenstein. Weitere bedeutende Objekte der Beutekunst in Russland sind umfangreiche Bestände der Kunsthalle Bremen (u. a. die so genannte Baldin-Sammlung), die Nachlässe von Ferdinand Lassalle und Walther Rathenau, Bestände der Gothaer Bibliothek und der fürstlichen Bibliothek in Wernigerode sowie die Rüstkammer der Wartburg. 2008 wurde bekannt, dass im Museum der ukrainischen Stadt Simferopol 87 Gemälde des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen ausgestellt werden, die bis 2005 als verschollen galten.
Der Goldfund von Eberswalde (bronzezeitlicher Goldschatz), 10.–9. Jh. v. Chr, Collection: Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, Photograph: Andreas Praefcke 2006, WikipediaDer bronzezeitliche Eberswalder Goldschatz wurde 2013 im Rahmen der Ausstellung „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ in Sankt Petersburg gezeigt. In einer kurzen Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 21. Juni 2013 forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die russische Regierung dazu auf, die geraubten deutschen Kulturgüter zurückzugeben.
2016 wurden 59 Statuen, die ehemals im Bode-Museum in Berlin standen, im Puschkin-Museum in Moskau wiedergefunden.
Zudem wurde so einiges an Kunst- und Wertgegenstände vor den Alliierten versteckt, wobei es sich in der Regel nicht um Raubkunst, sondern um Eigentum gehandelt hat. Besonders der Adel brachte in der sowjetischen Besatzungszone Wertgegenstände vor den Sowjetsoldaten in Sicherheit. Und häufig konnten die Besitzer dann nicht zurückkehren oder kamen nicht mehr an die verstecke heran. Oder die Besitzer verstarben ohne die Verstecke weitergegen zu haben.
Einige Beispiele:
1996 wurde von Schatzgräbern bei Schloss Moritzburg der Schatz der Wettiner gefunden. Die Söhne von Ernst Heinrich Prinz von Sachsen, Dedo und Gero und der Revierförster hatten im Februar 1945 43 Kisten vergraben. Unter Folter verriet der Förster später das Versteck an die sowjetische Besatzungsmacht. Die Sowjets gruben den einen großen Teil aus und brachten den Schatz als angebliche Beutekunst widerrechtlich in die Sowjetunion, wo er sich bis heute befindet. Jedoch wurden 3 Kisten wohl übersehen und erst 1996 gefunden. Der Gesamtwert des Inhalts der drei Kisten wurde auf etwa 12 Millionen Euro geschätzt. Welchen Wert haben dann wohl die anderen 40 Kisten gehabt?
Auf Burg Falkenstein im Harz wurden bereits zwei Schätze der dort bis 1945 residierenden Asseburger gefunden. Der erste bestand aus wertvollen Kunst- und Kulturgütern und wurde vor 25 Jahren entdeckt. Vor wenigen Tagen wurde nun bei Bauarbeiten verstecktes Meißner Porzellan sowie weitere Kunstgüter gefunden.Reiseführer kostenlos anfordern
Schloss Neumühlen in der Altmark ist Besitz der Grafen von der Schulenburg. 2001 wurde der Geschichtsforscher, Architekt und Schatzsucher F.H. Rainer Friebe von Günzel Graf von der Schulenburg beauftragt einen 1945 im Schloss versteckten Familienschatz zu finden. Die Mutter des Grafen hatte die Wertsachen der Familie vor den Sowjets versteckt, dem Sohn jedoch das Versteck nicht anvertraut. Friebe hatte Glück und fand den umfangreichen Schatz: Milchkannen voller alte Münzen, Gold, Silber, Schmuck, wertvolles Porzellan und einen Koffer voller wertvoller alter Dokumente.
Als Resümee kann zusammengefasst werden, dass auch über 70 Jahre nach Kriegsende die Problematik Raubkunst der Nationalsozialisten sowie Kunstraub der Alliierten noch nicht Ansatzweise geklärt werden konnte. Daher werden wohl immer wieder neue Funde und Wiederentdeckungen gemacht werden. Und besonders das sogenannte Nazigold hat auch in seinen geheimen verstecken keine Verfallszeit. Aber darüber berichte ich demnächst.

Das Raubgut der Nationalsozialisten

Die Judenverfolgung – auch als Holocaust bezeichnet – nahm seinen Ausgang im modernen Antisemitismus der 1870er Jahre. Er hatte jedoch bereits eine jahrhundertelange Vorgeschichte im christlichen Antijudaismus. In Deutschland verursachten der verlorene Erste Weltkrieg und die daraus resultierenden, zum Teil demütigenden, Erlässe des Versailler Vertrages, sowie die folgende Weltwirtschaftskrise, ein Abdriften in den Nationalsozialismus.

Mit der Gründung der NSDAP am 24. Februar 1920 und der Veröffentlichung ihres Parteiprogramms wurde die deutsche Staatsbürgerschaft für Juden erstmals in Frage gestellt und abgelehnt.

Unmittelbar nach dem Machtantritt der NSDAP begannen die Unterorganisationen der Partei mit organisierten und unorganisierten Gewalttaten gegen Juden.

Zudem entwickelten die Nationalsozialisten das spezielle Kunstideal einer Deutschen Kunst und verfolgten fortan diesem Ideal entgegenstehende Kunst als „Verfallskunst“ oder „artfremde Kunst“. Künstler, deren Werke nicht den nationalsozialistischen Vorstellungen entsprachen, oder die Kommunisten oder Juden waren, wurden verfolgt. Die Nationalsozialisten belegten sie mit Berufs- und Malverboten, ließen ihre Kunstwerke aus Museen und öffentlichen Sammlungen entfernen, konfiszierten „Entartete Kunst“, zwangen Künstler zur Emigration oder ermordeten sie.

Es folgten die Nürnberger Rassegesetze von 1935, die als Grundlage zur Enteignung, Beschlagnahme und Plünderung jüdischen Eigentums dienten. Zunächst wurden nur Juden beraubt und enteignet, die vom NS-Regime inhaftiert wurden. Ab 1938 wurden die Maßnahmen gegen die Juden drastisch verschärft, sie mussten ihr gesamtes Vermögen melden. Viele Juden konnten noch vor den Nationalsozialisten ins Ausland fliehen, ihre Vermögenswerte musste sie jedoch häufig zurücklassen.

Mit den reichsweiten Novemberprognomen 1938 verschärfte sich die Situation für die Juden nochmals dramatisch. Durch die am 12. November verhängte „Judenbuße“ – einer Art Kontributionsleistung – mussten die Opfer für die Zerstörungen aufkommen; mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens wurde die staatliche „Arisierung“ beschleunigt.

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In der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 wurde Juden auferlegt, ihre Gewerbebetriebe zu verkaufen oder abzuwickeln, ihren Grundbesitz zu veräußern und ihre Wertpapiere bei einer Devisenbank zu hinterlegen. Außerdem durften sie Juwelen, Edelmetalle und Kunstgegenstände nicht mehr frei veräußern; kurz darauf wurde ihnen unter Strafandrohung auferlegt, diese bis zum 31. März 1939 bei staatlichen Ankaufstellen abzuliefern. Der kompletten Enteignung aller Juden war nun per Gesetzeskraft Legalität verschafft worden.

Von 1939 bis 1944 plünderten nationalsozialistische Organisationen Schlösser, Bibliotheken, Museen und Privatsammlungen im Deutschen Reich, später zudem in den von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten. Insbesondere der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, unter Alfred Rosenberg, das Sonderkommando Künsberg und die Forschungs- und Lehrgemeinschaft Ahnenerbe, die Heinrich Himmler unterstand, konkurrierten beim Aufspüren und Abtransport von Kunstwerken und Archiven.

Die erbeuteten Kunstgegenstände sollten zum Teil in einem zu gründenden „Führermuseum“ in Linz ausgestellt, die geraubten Bibliotheken der weltanschaulichen Forschung und Lehre zugeführt werden. Zur Devisenbeschaffung wurden Teile der Beutekunst auf dem internationalen Kunstmarkt, insbesondere über die Schweiz, angeboten. Ein nicht unbeträchtlicher Teil wertvoller Kunstwerke fand den Weg in die Privatsammlung von Adolf Hitler, Hermann Görings sowie weiterer NS-Größen.




Die geraubte Beutekunst, die nicht verkauft oder sich von Nationalsozialisten widerrechtlich angeeignet wurde, kam in zentrale Sammelstellen. Ähnlich wurde auch mit dem sogenannten Raub- oder Nazigold vorgegangen. Es handelte sich hierbei um mobile Wert- und Vermögensgegenstände die von den Nationalsozialisten Juden oder Regimegegnern abgenommen wurden, also nicht nur um Gold und Juwelen. Das Raubgold stammt hauptsächlich aus dem „arisierten“ Besitz von Personen, die deportiert oder in Konzentrationslagern eingesperrt und dort zum Großteil ermordet wurden.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges begannen die Nationalsozialisten die „Beutekunst“ und auch das „Raubgold“ aus den ursprünglichen Depots auszulagern und in vermeintliche vor den Alliierten sichere Verstecke zu bringen. Es waren Transporte die der größten Geheimhaltungsstufe unterlagen und von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wurden. Zugleich begann jedoch die Suche der alliierten Truppen nach den Nazi-Schätzen: von Osten her durch die Sowjetarmee und von Westen her durch die Amerikaner und Briten. Ein spannendes Rennen begann, über dessen Ausgang bis heute vieles im Verborgenen blieb. Wesentliche Teile des Nazi-Raubgutes gelten bis heute als verschollen. In den nächsten Beiträgen möchte ich versuchen etwas Licht in diese geheimnisumwitterten Geschehnisse zu bringen.

Demnächst: Der Verbleibt der Beutekunst.