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Das Artensterben und die mediale Berichterstattung

Der Weltbiodiversionsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist eine UN-Organisation mit 132 Mitgliedsstaaten zur wissenschaftlichen Politikberatung in Sachen Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen.
Dieser Rat aus internationalen Wissenschaftlern hat soeben in Paris seinen Globalen Bericht zum Zustand der Natur vorgestellt. Und wie üblich bei solchen „Negativ-Berichten“ hyperventilieren Medien und Politik.
Gemäß den Aussagen dieses Berichts sind von den etwa 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planten ca. 1 Million Arten vom Aussterben bedroht.
Ich möchte diese Aussagen in keiner Weise kritisieren oder anzweifeln, dafür fehlen auch mir als Wissenschaftspublizisten die Grundlagen. Jedoch ist die Reaktion der Medien und auch der Politik zeitgemäß verheerend. In zahlreichen Kommentaren, Berichten und redaktionellen Beiträgen wird hysterisch von Apokalypse, Weltuntergang und ähnlichen zerstörerischen Szenarien berichtet: Allein der Mensch habe daran die Schuld, ist die überwiegende Aussage.
Ohne Zweifel, wir Menschen haben in den letzten zwei Jahrhunderten viele Fehler gemacht und damit unseren Planeten, unser Klima, unsere Umwelt und Natur stark strapaziert. Doch wussten wir es besser?
Heute wissen wir es besser und seit einigen Jahrzehnten bemühen wir uns in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern, die Situation für Klima, Natur und Umwelt zu verbessern. In Deutschland sind diese Themen in aller Munde: Leider reden wir mehr darüber, als dass wir nachhaltig etwas dafür tun. Oftmals sind die politisch Verantwortlichen der Auffassung, wenn nur genug Geld ausgegeben wird, dann lösen sich die Probleme schon von allein.
Das ist eine totale Fehleinschätzung: Ohne die Menschen im Land und auch die Unternehmen – von denen unser Wohlstand kommt – mitzunehmen, und ohne internationale Maßnahmen und Regeln werden wir Deutschen allein rein gar nichts bewirken können.
Ärgerlich ist vor allem, wie die meisten Medien mit dem Bericht des IPBES umgehen. Dieser Bericht, von international anerkannten Wissenschaftlern verfasst, umfasst 1.700 Seiten. Ich bin seit vielen Jahren als Autor, Lektor und Verleger tätig. Um mir über ein solches Werk ein unabhängiges Urteil bilden zu können, würde ich viele Tage benötigen. Politiker und Medienvertreter können jedoch schon Stunden nach der Vorstellung des Berichtes ein Statement abgeben. Von den Politikern sind wir ja inzwischen die von ihnen verinnerlichten Phrasen, Floskeln und Plattitüden und eine unübersehbare Oberflächlichkeit gewohnt. Zunehmend wird jedoch auch die mediale Berichterstattung auf diese Art und Weise geprägt. Man nimmt sich keine Zeit mehr zu lesen, zu analysieren, zu begreifen. Man reagiert nur noch auf Dinge, die man eigentlich noch nicht verstanden hat, auch weil die Wissensgrundlagen einfach fehlen.




Es wäre daher gut, wenn die öffentliche Debatte nicht nur von Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler sowie in der Sache unqualifizierten Politikern und Medienvertretern bestimmt werden. Zudem kann man zunehmend den Eindruck gewinnen, das kritische Personen keine Stimme mehr bekommen.
Es wird überall von dem größten Artensterben seit bestehen unseres Planeten geschrieben. Wissen es die Medienvertreter nicht besser oder läuft es auf ideologische Beeinflussung hinaus? Nur ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat in seinem Kommentar dazu auf bereits fünf weiterer großer Aussterbeereignisse der Vergangenheit hingewiesen.
Was soll jedoch diese Hysterie und Panikmache? Sie bringt nur unterschiedlich wertende Bevölkerungsschichten gegeneinander auf. Das trifft genauso auf die Klimaerwärmung zu!
Wir haben die Probleme erkannt und handeln zunehmend entsprechend. Nur benötigt dies Zeit! Erkenntnisse allein reichen nicht aus, für schnelle Veränderungen. Wir brauchen wissenschaftlich-technische Lösungen, eine entsprechende Bildung und Erziehung, ein Denken, dass nicht ausschließlich profitorientiert ist, internationale Zusammenarbeit und vor allem eine Menge Ehrlichkeit im Umgang miteinander.
Sicherlich sind wir Menschen am Artensterben nicht unwesentlich beteiligt. Jedoch muss ehrlicherweise auch gesagt werden: Arten sind zu jeder Zeit in nicht unerheblicher Anzahl ausgestorben oder haben einfach ihren Lebensraum verlegt, neue Arten sind entstanden und vorhandene haben sich evolutionär weiterentwickelt – das Leben auf unserem Planeten befindet sich in einem ständigen Fluss.
Es ist das Wesen der Evolution sich zu entwickeln. Die Evolutionsbiologie ist noch nicht sehr alt und gewinnt demzufolge ständig neue Einsichten und Erkenntnisse. Was sie jedoch sicher weiß: Die biologische Entwicklung aller Lebewesen orientiert sich an den Umweltbedingungen.
Unser Planet wird also nicht durch unseren Umwelt-, Natur- und Klimafrevel untergehen, denn wir haben das Problem erkannt! Es ist wahrscheinlicher, dass wir Menschen uns durch Kriege selber auslöschen. Die fünf bekannten Aussterbeereignisse unseres Planeten sind wissenschaftlich nachgewiesen. Die Ursachen dafür sind jedoch noch sehr spekulativ. Am bekanntesten ist das Aussterben der Saurier, die zu ihrer Zeit den Planten beherrschten. Über die Ursachen – Vulkanausbrüche oder Asteroiden/Meteoriten-Einschlag – wird gestritten. Fakt ist: die Saurier starben aus und es entwickelten sich neue Arten. Die Säugetiere begannen die Erde zu dominieren und tun es – mit uns Menschen – bis heute.
Warum immer gleich diese Endzeitstimmung und vor allem die gesellschaftliche Spaltung durch unqualifiziertes Besserwissertum, dass keine andere Meinung neben der eigenen gelten lässt.
Bevor sie sagen, ich sei ja auch nur einer davon, möchte ich sie eines Besseren belehren. Ich bin Natur- und Technikwissenschaftler und war lange Zeit als Unternehmer im Forschungs- und Entwicklungsbereich tätig. Ich habe beispielsweise an diesen Projekten gearbeitet: Federführend als Initiator an einem nationalen Projekt „Berührungslosen Energieübertragungssystemen“, an einem europäischen Projekt „Luffa cylindrica“ zur Herstellung ökologischer Ölbindemittel, an einem GPS-gestützten Dokumentationssystem für Sondermülldeponien, an einem Projekt zum Einsatz von Wasser als Energielieferant (Spaltung in Wasserstoff und Sauerstoffe in Verbrennungsmotoren). Ich habe damals für diese Projekte Förderungen von der EU und verschiedenen deutschen Ministerien erhalten. Alle Projekte waren zukunftsweisend wurden jedoch nach der FuE-Phase nicht weiter unterstützt. Ich habe bei diesen Projekten mit einigen europäischen Großkonzernen, teilweise in Vorstandsebene, zu tun gehabt. Dass sich ein Unternehmen seine Geschäftsgrundlage nicht nehmen lassen will, sollte eigentlich jedem einleuchten. Nur unserer deutschen Politik leuchtet das nicht ein, sie stellt nach der FuE-Phase eine weitere Unterstützung ein, was den Todesstoß für alle Erfinder, sowie alle klein- und mittelständischen Unternehmen bedeutet. Dieser Trend der Subventionsverschwendung an unsere Konzerne, die dieses Geld eigentlich nicht nötig hätten, hält bis heute an. Ich habe dazu in meinem Buch „Deutschland k(ein) Erfinderland“ meine Sicht der Dinge dargelegt.
Unsere Politik verschleiert diese falsche Subventionspolitik in der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Industrie jedoch systematisch und die Medien greifen dieses Thema nur am Rande auf.
Die klugen Köpfe außerhalb der Konzerne werden nicht nur nicht ernst genommen, sie werden zudem ausgebremst und niedergemacht. Hinzu kommt eine zunehmende Mentalität, Unternehmer als unsozial und raffgierig abzustempeln.
Dazu nochmal zum Verständnis: Konzernvorstände sind keine Unternehmer, sondern Angestellte, auch wenn sie sich selbst ständig anders sehen. Sie stehen nicht für Fehler und Misswirtschaft ein, was für Unternehmer selbstverständlich ist. Unseren deutschen Wohlstand haben wir jedoch den kreativen Unternehmern zu verdanken: Sicherlich gibt es unsoziale Unternehmer, es gibt aber auch unsoziale Arbeitnehmer.
Auch in der verhältnismäßig kleingliedrigen Landwirtschaft ist vieles im Argen: Die Politik gibt Unsummen für Projekte aus, um wenige Vertreter einer Art angeblich retten zu wollen. In den wenigsten Fällen nehmen die Tiere diese Angebote jedoch an. Es sind Scheininvestitionen, die da getätigt werden. Dann jedoch werden die Landwirte als Schuldige für das Artensterben und viele andere „Umweltfrevel“ verantwortlich gemacht. Diese zählen in unserem Land nun wirklich nicht zu den Reichen, viele davon kämpfen ständig um ihre Existenz. Warum finden wir nicht endlich Reglementarien für die Landwirte, die für unsere Ernährung sorgen, um diese finanziell entsprechend zu unterstützen und ihnen Produktpreise zu garantieren, von denen sie leben können. Sie könnten dann auf Düngung und Umweltgifte weitgehend verzichten. Nicht nur die Natur würde es danken, auch unsere Lebensmittel wären frei von Schadstoffen: alles BIO also. Stattdessen stellen wir die Landwirte, die ständig um ihre Existenz kämpfen müssen, nun für das Artensterben als Buhmann an den Pranger, was einfach nur von der Ignoranz einer gewissen politischen Klasse zeugt.
Die Menschheit wächst rasant und wir können wenig dagegen tun. Das daher der sogenannte Ressourcenverbrauch ständig zunimmt, was natürlich auch zu den genannten Problemen führt, steht außer Zweifel. Wir können jedoch mit keiner deutschen Maßnahme diese Situation verändern. Zudem müssen wir auch den Entwicklungs- und Schwellenländern ein besseres Leben zugestehen, was wiederum in direktem Zusammenhang mit vielen Flüchtlingsbewegungen steht. Eines jedoch können wir: Kluge, umweltorientierte Technologien für alle Bereiche unseres Lebens entwickeln und diese dann möglichst schnell und ohne Profitabsicht in die Länder importieren, die schwerpunktmäßig die Umwelt, Natur- und Klimavergehen begehen.
Und kaum ist der IPBES-Bericht veröffentlicht, so melden sich selbsternannte Experten, die eine Klimaerwärmung von max. 1,5 statt bisher 2,0 Grad Celsius fordern. Tut mit leid, aber für mich sind solche Leute Lobbyisten der Umweltaktivisten.
Ich bin ein Naturfreund. Ich habe einen Garten in dem vom Frühjahr bis zum Winter Pflanzen blühen. Ich habe seit vielen Jahren Hunde, mit denen ich dreimal täglich in den Wald gehe und diesen dabei intensiv beobachte. Ich töte kaum Tiere: Insekten die ich im Haus finde schaffe ich in der Regel ins Freie. Wenn mein Kater eine Maus oder einen Vogel gefangen hat und ich eingreifen kann, so versuche ich dessen Beute zu retten. Ich fliege fast nie, meine Urlaubsziele liegen in der Regel in Deutschland. Ich kaufe, wenn möglich, regionale Lebensmittel. Ich gehe der regionalen Natur tiefgründig und wissenschaftlich auf den Grund und schreibe darüber.
Aber ich sehe mich nicht als Umwelt- oder Naturschützer, sondern einfach nur als ein Mensch, der die Probleme erkannt hat. Diese Bezeichnungen sind mir zu ideologisch geprägt und Ideologien mag ich nicht. Zudem fahre ich auch einen SUV, esse Fleisch und mache andere Dinge die zunehmend verpönt sind. Jedoch lerne auch ich ständig dazu, so wie wohl jeder von uns.
Es braucht Zeit und Verständnis untereinander. Und es bedarf technischer Lösungen und nicht schöner Worte und bedrucktem Papier. Dann werden wir Umwelt, Klima und Natur nicht weiter zerstören und es wird ein Erholungsprozess eintreten. Stehen wir uns also nicht selbst im Weg, sondern handeln wir gemeinsam und visionär.

Spargel-Ernteroboter & Co

Die moderne Landwirtschaft ist bereits mehr automatisiert als wir wissen und ahnen. Das ist leider wohl auch notwendig, denn die Arbeitskräfte in diesem Wirtschaftssektor werden immer rarer.
Zwar ist es in Mode Bioprodukte zu verlangen, doch können sich diese nicht alle leisten. Und viele von denen, die am lautesten nach Bio und damit nach traditionellem Anbau schreien, haben sicherlich noch nie ein Feld oder einen Garten bewirtschaftet.
Landwirtschaft ist Knochenarbeit und dazu noch schlecht bezahlte. Sicherlich liegt daher die Zukunft unserer Landwirtschaft nicht ausschließlich in kleinstrukturierten Bio-Betrieben. Die wird es parallel zur industrienahen Landwirtschaft geben, wenn für alle gesorgt werden soll. Dass wir dennoch unseren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, Dünger und anderen gesundheits- , umwelt- und klimaschädigenden Techniken und Technologien überdenken und ändern müssen, wird davon nicht berührt.
Für die Bodenbearbeitung, die Aussaat, das Düngen und Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und auch das Ernten gibt es bereits vielfältige Maschinen, die teilweise sogar per GPS automatisch gesteuert werden und die Arbeitsprozesse per Computer berechnen.

Blog-Marketing bringt neue Kunden und mehr Umsatz
Jedoch für die Ernte zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte gab es bisher noch keine Lösung, die den Menschen als Erntehelfer ersetzen konnte.
Spargel, ein saisonales Lieblingsgemüse, ist nur mit mühevoller manueller Arbeit zu ernten. Für die Spargelbauern wird es jedoch immer schwieriger Helfer für die Spargelernte von etwa Mitte April bis zum traditionellen 24. Juni. zu bekommen. Das wiederum führt zu höheren Löhnen und damit zur ständigen Verteuerung des Gemüses.
Zahlreiche Versuche für solche voll- oder halbautomatischen Spargelerntemaschinen gibt es seit einigen Jahren. Jedoch ist die Spargelente ein dermaßen komplexer Prozess, dass bahnbrechende Entwicklungen bisher ausblieben.
Der niederländische Spargelbauer Marc Vermeer hatte wieder Mal Probleme bei der Spargelernte und er hatte einen Bruder der Erfinder war. Auf einer Familienfeier wurde über eine Spargelerntemaschine gesprochen und 2014 die Firma Cerescon gegründet, deren Zweck die Entwicklung und der Vertrieb von Spargelerntemaschinen ist.
Jedoch ist der Spargel ein sehr subtiles Gemüse. Die Beete haben eine besondere Form – sie sind hoch angehäufelt – damit der Spargel sich nicht verfärbt, denn sobald er das Sonnenlicht erblickt wird er zunächst violett und später grün. Der Erntehelfer muss also Erfahrung haben und sehen, wo sich unter der Erde die gefragten Stangen befinden. Dann muss er sie treffsicher mit dem Spargelstecher abschneiden. Dabei geht selbst bei erfahrenen Erntehelfern öfters etwas schief.
Der Spargelbauer, sein Bruder Ads und dessen Frau Therese machten sich an Werk und jeder brachte seine Erfahrungen ein. Ein völlig neuartiger Denkansatz kam auf: Spargelstangen enthalten extrem viel Wasser und das leitet Strom. Es wurden Fühler entwickelt, die durch das Spargelbeet gezogen werden und elektrischen Strom aussenden. Dieser durchdringt auch den Spargel und weil Wasser stärker leitet als die den Spargel umgebende Erde, wird der „Spargelstrom“ verstärkt. Messfühler können so die genaue Position der Spargelstangen ermitteln und diese Informationen an Spargelmesser weitegeben. Die Maschine findet sogar jene Stangen, die dem Erntehelfer verborgen geblieben wären, weil sie erst zwei bis drei Tage später die Oberfläche erreicht hätten. Nach dem Stechen wird das Beet dann von dem Automaten wieder geglättet.
Der Spargelernteautomat kann bis zu drei Beete gleichzeitig abernten. Das Herstellerunternehmen gibt dazu an: „Deshalb kann die Maschine in einem einzigen Durchgang den gesamten reifen Spargel ernten, für den bisher 60 – 75 Arbeitskräfte drei Tage hintereinander eingesetzt werden mussten.“
Und weiter äußert das Unternehmen: „Beim Handstechen gehen etwa 30 Prozent des Spargels durch Beschädigungen verloren. Wir denken, dass wir diese Quote halbieren können.“




Der Spargelproduzent Teboza in den Niederlanden hat den Ernteautomaten 2017 getestet und war zufrieden mit der Qualität.
Es bewegt sich derzeit viel bei der Entwicklung von Erntemaschinen. So beispielsweise für Blumenkohl, für Gurken und auch für Äpfel. Besonders kompliziert ist die Entwicklung für den Außeneinsatz, also dem Ernten auf dem Feld. Neben allen spezifischen Problemen mit den entsprechenden Erntepflanzen spielt dort auch noch das Gelände mit hinein.
Daher ist die Entwicklung für solche Ernteroboter in Gewächshäuser erheblich einfacher, denn das Gelände ist eben und flach und die Maschinen können auf einen Orientierungssinn verzichten und fest installiert und programmiert werden. Besonders Pflanzen mit vielen oder großen Blättern bereiteten bisher Probleme. Die beginnt man nun mit vielfaltigen, neuen, computergestützten Messverfahren zu lösen: 3-D-Kameras, Spektralkameras, Sensortechnik, Analyseprogramme machen Hoffnung auf weitere Ernteroboter.
Bleibt die Frage, die unter dem Begriff „Digitalisierung“ zwar viel diskutiert, aber bisher nicht ansatzweise beantwortet wird. Was wird mit allen Menschen, die keinen höheren Bildungs- oder Ausbildungsabschluss aufzuweisen haben?

Glyphosat, andere Pflanzenschutzmittel und eine Idee

Riesige Aufregung: Der geschäftsführende Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU hat in Brüssel, gegen den Willen der SPD-Umweltministerin, dafür gestimmt, die Zulassung für das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für fünf Jahre zu verlängern. Dieser Alleingang hat die SPD schwer verstimmt und die Kanzlerin in Schwierigkeiten gebracht.

Entsprechend vereinbarter Absprachen hätte er sich in diesem Fall der Stimme enthalten müssen, heißt es aus der SPD und auch aus Regierungskreisen. Vereinbarungen sollte man einhalten: keine Frage. Was jedoch hätte das an der Situation geändert? Rein gar nichts, was mich zu der Frage veranlasst warum soviel Wind um fast nichts gemacht wird? Nur des Prinzips wegen? Doch seit wann gelten in der Politik noch Prinzipien? Man muss es ganz eindeutig formulieren: Glyphosat wäre auch bei einer deutschen Enthaltung für weitere 5 Jahre von der EU genehmigt worden.

Das Problem liegt ganz wo anders, doch kein Politiker hat dazu Lösungsvorschläge. Die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide, Insektizide und Herbizide gefährden unsere Gesundheit. Zudem belasten sie mit ihren, der Natur fremden Bestandteilen, die Böden, das Grundwasser und die Flora und Fauna.

Pflanzenschutzmittel haben eine lange Tradition. Bereits in der Antike wurde über sie berichtet. In der Neuzeit entdeckten Forscher dann pflanzliche Wirkstoffe, die gegen sogenannte Schädlinge eingesetzt werden konnten.

Mit der einsetzenden Industrialisierung kam zunehmend die Chemie zum Einsatz. Damit begann ein Teufelskreis: immer mehr schwerabbaubare, gesundheitsschädigende und auch giftige Chemikalien kamen und kommen zum Einsatz.

Pflanzenschutzmittel – PSM – dürfen erst dann eingesetzt werden, wenn sie ein langwieriges Zulassungsverfahren bestanden haben. Dennoch sind die Nebenwirkungen vieler Chemikalien, die zum Einsatz kommen, wenig bekannt. Noch weniger wissen wir über Langzeitwirkungen sowie viele weitere Wirkmechanismen. Ein Problem beim Pflanzenschutz ist die Gefahr von Resistenzbildungen bei Insekten, Unkräutern und Pilzen gegenüber einzelnen Wirkstoffen. Diese können entstehen, wenn wiederholt identische Wirkstoffe angewendet werden.



Derzeit ist zudem ein Insektensterben in aller Munde. Der NABU schreibt dazu: „27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht – die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern wie das Insektensterben zu stoppen ist.“ Wie bei allen komplexen Naturereignissen sind auch deren Ursachen sehr vielschichtig. Als ein potentieller Einflussfaktor wird auch der PSM-Einsatz angesehen.

Alles in der Natur hat seinen Platz und seinen Zweck; nichts ist ohne Einfluss auf das gesamte Ökosystem. Wenn wir so das Problem betrachten, so wird uns klar, dass jeder Eingriff in die Natur – auch der gutgemeinteste – Folgen hat, die wir jedoch zum Teil nicht abschätzen können.

Immer wieder kommen Pflanzenschutzmittel auf den Markt, die im Nachhinein als umwelt- oder gesundheitsschädigend eingestuft oder verdächtigt werden. Zum Teil werden diese Mittel dann vom Markt genommen und neue folgen nach, deren Nebenwirkungen jedoch ebenfalls nicht abzuschätzen sind. Ein Teufelskreis und keine Aussicht auf Besserung.

Das Problem liegt jedoch auf einer anderen Ebene. Unsere Preise für Lebensmittel sind enorm niedrig. Hat der Deutsche 1850 noch 61 Prozent seiner Konsumausgaben für Lebensmittel getätigt, so waren es 1950 nur noch 44 Prozent, 1980 nur noch 20 Prozent und 2016 sogar nur noch 13,7 Prozent dieser Ausgaben.

Viele der Bauern kämpfen daher um ihre Existenz. Sie müssen umfangreiche gesetzliche Regeln einhalten, müssen die Steuer- und Abgabenlast bewältigen und haben zudem häufig hohe Kredite zu tilgen. Es kann wohl mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass Bauern – die von der Natur leben – kein Interesse an deren Zerstörung haben. Sie sind jedoch gezwungen Pflanzenschutzmittel einzusetzen, um gute Ernten einzufahren und damit ihre Existenz zu sichern.

Was kann man jedoch gegen diese Situation tun? Glyphosat beispielsweise zu verbieten und kurz darauf ein anderes Pflanzenschutzmittel zulassen, dass vielleicht noch mehr Risiken birgt, ist wohl keine wirklich nachhaltige Lösung.

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Ich habe da jedoch eine Idee: Wenn wir alle bei landwirtschaftlichen Produkten unbedingt sparen müssen, so könnten wir dennoch eine Abgabe leisten, die den Landwirten bei Ernteausfällen, Tierseuchen und ähnlichem finanziell hilft. Es könnte ein Verbot aller Pflanzenschutzmittel erlassen werden, die nicht nachweislich für Mensch und Natur unbedenklich sind. Im Gegenzug könnte eine Abgabe oder Steuer auf alle landwirtschaftlichen Produkte erhoben werden – z.B. von 5% des Kaufpreises – die wie die Umsatzsteuer zentral eingezogen wird. Die Steuer sollte auf ein Zweckkonto eingezahlt werden. Dann werden vom Staat Expertenkommissionen gegründet. An diese können sich landwirtschaftliche Betriebe wenden, die durch „Schädlingsbefall“ oder andere naturnahe Ereignisse Ernteeinbußen oder Ernteausfälle hinnehmen müssen. Die Expertenkommission bewertet den Antrag fachmännisch sowie schnell und unbürokratisch und veranlasst entsprechende Ausgleichszahlungen, die von dem Zweckkonto getätigt werden.

So könnten die landwirtschaftlichen Betriebe auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten und dennoch in eine gesicherte Zukunft blicken. Wir alle – die Verbraucher – würden mit einem keinen Beitrag für wesentlich mehr Umwelt- und Naturschutz sorgen, qualitativ hochwertigere landwirtschaftliche Produkte erhalten und zudem unsere Landwirte in ihrer unverzichtbaren Arbeit unterstützen. Wäre das nicht eine diskussionswürdige Idee zum Nutzen aller?