Archiv der Kategorie: Geschichte

Was die Erfahrung und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Florale Immigranten – wie unsere Flora sich verändert

Wir leben in einer Zeit des Klimawandels. Diese Aussage ist unstrittig, auch wenn ich die Meinung von Umwelt-, Natur- und Klimaschützern nur bedingt teile, dass wir Menschen dafür der maßgebliche Faktor sind.

Klimawandel – auch ganz gravierende – gab es zu allen Zeiten der Erdgeschichte und zudem lange bevor der Mensch dem Planeten seinen Stempel aufdrückte. Eigentlich kann man sagen, dass ein ständiger Klimawandel auf der Erde von statten geht, Mal in die eine, Mal in die andere Richtung.

Nun haben wir eine Erwärmungsphase: Als globale Erwärmung bezeichnet man den Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere seit der Industrialisierung in den letzten 150 Jahren.

Dieser Klimawandel schafft nun auch in unseren Breiten für exotische und mediterrane Pflanzen optimale Bedingungen und lässt so manches hübsche Gartenpflänzchen invasiv werden.

Neobiota ist der Sammelbegriff für Arten und untergeordneten Taxa von Pflanzen und Tieren, die sich in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Diese Ausbreitung kann mit oder ohne menschliche Einflussnahme geschehen. Neobiotische Pflanzen nennt man Neophyten.

Für Deutschland gilt in der Regel, das Pflanzen als Neophyten bezeichnet werden, die hier nach dem Jahr 1492 eingeschleppt wurden. Dieses Jahr bezieht sich auf Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus.

Vielen Menschen ist heute schon gar nicht mehr bewusst, wie viele Pflanzen hier nicht heimisch, also Neophyten sind: Kartoffel, Tomate, Paprika, Gurke, Melone, um nur einige zu nennen. Wie würde unsere Speisekarte ohne diese Gemüse aussehen? Es würde sich wohl auch kaum einer beschweren, wenn sich diese Gemüsesorten unkontrolliert ausbreiten würden. Tun sie jedoch kaum, da sie alle nicht winterhart sind.

Halfsize Traumb. V1

Eine ganz andere Situation besteht diesbezüglich bei zahlreichen mehrjährigen Pflanzenstauden, die in ihrer Ausbreitung kaum noch zu stoppen sind: so die Kanadische Goldrute. Sie wurde von den Europäern bereits im 17. Jahrhundert in unsere Gärten eingeführt. Heute hat sie sich über die Gartenzäune hinaus ausgebreitet und wächst überall wo sie Luft und Sonne findet. Das derzeitige heimische Klima tut der Kanadischen Goldrute gut. Sie hat kaum Fraßfeinde, die sind auf der anderen Seite des Atlantik verblieben, und auch die Insekten scheinen sich kaum für die Goldrute begeistern zu können. So können sich ihre unterirdischen Triebe ungestört weiter ausbreiten.

Für den normalen Gartenfreund ist es kaum nachvollziehbar, woher unsere „Gartenschätzchen“ kommen, die wir in Gärtnereien, Baumärkten und sogar im Supermarkt erwerben. Mittlerweile sind zwei Drittel aller Zierblumenarten bei uns Exoten. Rund 22.000 Zierpflanzenarten werden in Europa gehandelt, davon sind 15.000 aus der Ferne. Diesen stehen etwa 14.000 heimische Wildpflanzenarten gegenüber. Schnell können diese von invasiven Neophyten in kleinen Biotopen

verdrängt werden. In aller Mund ist der aus dem Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau. Dieser Doldenblütler bildet das für seine Familie typische Furocumarine, jedoch in hoher Dosis. Berührungen in Verbindung mit Tageslicht können bei Menschen und anderen Säugetieren zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die schwer heilen und wie Verbrennungen erscheinen Photodermatitis. Jedoch ist dieser sekundäre Pflanzenabwehrstoff auch in zahlreichen anderen Pflanzenfamilien – z.B. bei Zitrusgewächsen – anzutreffen.

Der Wissenschaft sowie Naturschützern bereiten die Neophyten zunehmend Sorge. Daher wurde ein europäisches Forschungsprojekt initiiert: „Biodiversa“.

Wie schon dargestellt sind eingeschleppte oder eingeführte Pflanzen nichts Neues. Jedoch hat sich die Zahl der weltweiten Warenexporte/Importe in den letzten 60 Jahren etwa verzwanzigfacht. In rasender Geschwindigkeit reisen Waren aller Art um die Welt und mit ihnen auch Pflanzen oder deren Samen. Und wenn alle Rahmenbedingungen stimmen dann sind diese Neophyten nicht aufzuhalten.

Das internationale Forschungsprojekt mit dem Titel „WhoIsNext“, will diesen potentiellen Immigranten auf den Zahn fühlen, bevor es zu spät ist. Ein internationales Team von Fachleuten hat dazu im Jahr 2015 im Fachmagazin Natur eine GLONAF-Datenbank (Global Naturalized Alien Floras) veröffentlicht. In dieser Datensammlung sind alle Informationen zusammengetragen, die über Pflanzenarten verfügbar sind, die sich irgendwo in der Welt in einem fremden Habitat etabliert haben. Das sind bisher zwar nur etwa drei Prozent der gesamten globalen Flora, aber immerhin. Wir wissen aus Erfahrung, das eine einzige eingewanderte Tier- oder Pflanzenart ein ganzes Biosystem stark beeinflussen kann.

So geschehen mit den Fichten, insbesondere im Harz. Nachdem, bedingt durch den frühneuzeitlichen Bergbau, der heimische Wald mit seinen Buchen und Eichen sowie anderen Laubbäumen zum großen Teil abgeholzt war, wurden massenhaft schnellwachsende Fichten angepflanzt. Auf Grund des Klimawandels kämpfen die Fichten nun um ihr Überleben. Die Frage Neophyt oder nicht spaltet selbst die Fachwelt. Für mich sind das ideologische Grabenkämpfe: Die Fichte war im Harz nicht zuhause und wurde eingeführt: Somit ist sie ein Neophyt.

Andere Immigranten sehen wir schon nicht mehr als solche an: Studentenblume, Sonnenblume, Mädchenauge, Winterling, Topinambur, Horn-Sauerklee, Essigbaum und viele andere sind kaum noch wegzudenken.

Weitere eingeführte Zierpflanzen breiten sich in anderen europäischen Ländern bereits stark aus: Die aus Südamerika stammende Bougainville schmückt bereits Hausfassaden und Mauern im ganzen Mittelmeerraum. Die Hanfpalme, zuhause in Südostasien, breitet sich im Tessin wild aus. Diese Reihe ließe sich lange fortführen. Da auch in Deutschland die Winter immer milder werden, haben exotische Pflanzen auch hier gute Überlebens- und Vermehrungsaussichten.

Dennoch besteht kein Grund zur Panik, wie sie viele Ökologen, Biologen, Umwelt- und Naturschützer gern schüren – wohl ein typisches deutsches Problem, diese Panikmache. Nur jede zehnte exotische Pflanze hat die Chance hier zu überleben und nur jede hundertste von diesen Immigranten hat das Zeug dazu, Einfluss auf unsere heimische Flora zu erlangen.

Ich persönlich sehe keine große Gefahr für die heimische Pflanzenwelt. Zudem: Wir können die Zuwanderung nicht verhindern – wie auch bei den menschlichen Immigranten – etwas regeln können wir sie jedoch. Und deshalb ist es gut, dass sich die Wissenschaft mit den Neophyten beschäftigt, uns Handlungsempfehlungen gibt und die ganze florale Einwanderung im Auge behält. Aber Angst brauchen wir wohl keine zu haben, denn letztlich regelt die Natur alles in Eigenregie und wir selbst sollten uns wohl nicht ganz so wichtig nehmen.




Das mysteriöse Männermassensterben in der Jungsteinzeit – 17 Frauen auf einen Mann

Massensterben sind in der Geschichte des Menschen eher die Regel als die Ausnahme. Jedoch waren sie immer verbunden mit Naturkatastrophen, Seuchen oder Krankheiten und trafen daher stets die gesamte betroffene menschliche Population.

Diese Ereignisse lassen sich zumeist wissenschaftlich nachweisen und zum Teil auch begründen. Hingegen gab es vor etwa 7.000 – 5.000 Jahren einen angeblichen unerklärlichen Männerschwund von gewaltigem Ausmaß, welcher der Wissenschaft Rätsel aufgibt. Frauen blieben von diesem Bevölkerungsrückgang wohl weitgehend verschont.

Forschungen ergaben, dass ein Teil der damaligen Bevölkerung verschwand: die Männer. Dieses Phänomen wird als Y-Chromosom-Flaschenhals bezeichnet. Es wurde nachgewiesen, dass in jener Zeit, bei den ausschließlich bei Männern vorhandenen Y-Chromosomen, eine starke Verarmung der genetischen Vielfalt auftrat. Ein Phänomen, welches bisher Rätsel aufgibt.

Forscher unter der Führung des Soziologen Tian Cheng Zeng von der US-Universität Stanford meinen, nun eine Lösung gefunden zu haben. In ihrem Aufsatz im Magazin „Nature“ nehmen sie sich des abrupten Männerrückgangs an, der sich „über verschiedene Populationen Afrikas, Europas und Asiens“ erstreckt haben soll. Die männliche Bevölkerung sei damals auf ein Zwanzigstel ihres ursprünglichen Wertes zusammengeschrumpft – schließlich kam nur noch ein Mann auf 17 Frauen.

Wie die Forscher zu dieser Erkenntnis kamen und ob diese überprüfbar ist, lässt sich von mir nicht beurteilen.

Für Zeng und seine Kollegen, den Mathematiker Alan Aw und den Biologen Marcus Feldmann gibt es nur eine plausible Erklärung: Es fand eine lang anhaltende Periode von Kämpfen zwischen rivalisierenden Sippen statt, die patrilinear (in Vaterfolge) organisiert waren. Somit müssten alle Mitglieder dieser Sippen miteinander verwandt gewesen sein. Frauen hingegen wechselten zwecks Heirat in andere Sippen oder wurden bei kriegerischen Auseinandersetzungen erbeutet und in die eigene Sippe integriert. Die Wissenschaftler schließen aus diesem Rückgang der genetischen Vielfalt, ausschließlich bei den männlichen Y-Chromosomen, dass viele Männer bereits starben, bevor sie sich fortpflanzen konnten.

Das Wissenschaftler-Team findet dafür die Begründung einer Periode von langanhaltenden Kriegen, die zu einem massenhaften Männersterben führten. Die überlebenden Männer der unterlegenen Sippen und Stämme wurden getötet und die Frauen mussten zu den Siegern übersiedeln.

Nach Auffassung der Wissenschaftler verstärkte der in der Jungsteinzeit einsetzende Wechsel vom Nomadentum zur sesshaften Lebensweise diese Entwicklung erheblich. Die dadurch auftretenden Konflikte um ressourcenreiches Siedlungsland verstärkten die Konflikte zwischen rivalisierenden Stämmen. Diese kriegerischen Auseinandersetzungen hatten laut den Forschern zur Folge, dass die speziellen genetischen Merkmale auf den Y-Chromosomen einer Sippe einfach ausgelöscht wurden, sobald deren Männer Opfer der Kämpfe geworden waren.

Die Forscher erstellten mathematische Computer-Modelle um ihre Hypothese zu überprüfen. Dazu ließen sie die Sippen virtuell gegeneinander antreten. Das Ergebnis: Kriege zwischen patrilinear organisierten Sippen und Stämmen führen mit der Zeit zu einer Abnahme der genetischen Vielfalt auf allen männlichen Y-Chromosomen. Bei nicht patrilinear organisierten Gruppen hingegen ist dies nicht zu beobachten. Am Ende setzten sich in der Jungsteinzeit also wenige der Sippen und Stämme gegen viele andere durch und sicherten damit die Überlieferung ihres Erbguts in die heutige Zeit. Die genetischen Besonderheiten der unterlegenen männlichen Linien hingegen gingen für immer verloren. Soweit das Ergebnis dieses Forscherteams zum Y-Chromosomen-Flaschenhals.

Dies ist jedoch eine These, die ich so nicht teilen kann: In früh- und vorgeschichtlicher Zeit und selbst noch im Mittelalter gab es zwischen den Geschlechtern eine strenge Arbeitsteilung. Die Frauen waren für den Haushalt, die Kinder, Wasser und das Sammeln von Früchten, Beeren, Pilzen und Gemüse verantwortlich. Die Männer beschützten die Sippe und ernährten sie.

Frauen mit Kindern, die ihren Mann verloren hatten, kamen in existentielle Schwierigkeiten und waren häufig dem Tod geweiht. Dass ein Mann bis zu 17 Frauen mit ihren Kindern versorgen konnte, ist schwer vorstellbar. Zudem gibt es auch keine Hinweise darauf, dass die Sieger eines Krieges oder Kampfes auch alle Kinder der unterlegenen Sippe getötet haben. Wenn diese zusammen mit den Frauen in die siegreiche Sippe aufgenommen worden wären, so wären auch deren genetischen Merkmale erhalten geblieben.




Das der Y-Chromosomen-Flaschenhals zu jener Zeit bestanden hat, ist in der Wissenschaft wohl unstrittig. Jedoch kann er durchaus auch andere Ursachen haben: z.B. durch eine übertragbare Männerkrankheit. Auch wären bei solchen langandauernden Kriegen sehr viele Männer der Sieger ums Leben gekommen oder zum Krüppel geworden. Die Sieger hätten daher wohl sicherlich die gesunden überlebenden Männer der unterlegenen Sippe versklavt bzw. in ihre Sippe integriert. Mich wundert immer aufs Neue, wie Wissenschaftler logische Zusammenhänge negieren, um ihre eigenen Thesen zu platzieren. Zudem werden die früh- und vorgeschichtlichen Menschen gern als Barbaren ohne Kultur und Wissen angesehen, die sie ganz sicher nicht waren.

Die Zahlen des Teams der Stanford Universität sind daher wenig logisch und durchaus anzuzweifeln. Das sich diese Y-Chromosomen-Theorie zudem während der Jungsteinzeit gleichzeitig auf allen damals besiedelten Kontinenten – Afrika, Asien und Europa – derart vollzogen haben soll, ist zudem kaum glaubhaft. Bis heute gibt es für die Ausbreitung der Menschen verschiedene Theorien. Die ersten Hochkulturen entstanden jedoch in Vorderasien und waren mit einem Kulturwandel zur Sesshaftigkeit verbunden. Dieser Kulturwandel fand in Mittel-, Süd- und Westeuropa erst einige Jahrtausende später statt. Zudem waren große europäische Teile damals noch derart dünn besiedelt, dass die beschriebenen Ausrottungskriege zur Land- und Ressourcengewinnung wohl nicht anzunehmen sind.

Somit glaube ich nicht daran, dass das Rätsel des Y-Chromosomen-Flaschenhalses mit dieser These aufgeklärt wurde. Eben so wenig wie die Evolutionsgeschichte der menschlichen Art. Zudem: Wie hat sich der Frauenüberschuss wieder ausgeglichen, wenn sich die Geburtenrate je Geschlecht immer etwa die Waage hält?

Der Marshall-Plan – die ganze Wahrheit, letzter Teil

Die Währungsreform, in Verbindung mit der Einführung der DM, war ein kluger Schachzug der Alliierten, besonders der Amerikaner. Die unübersehbare Inflation der Reichsmark verhinderte Wirtschaftsaufschwung und -wachstum. Nach der Einführung der DM stieg innerhalb kurzer Zeit die Produktion in den westlichen Besatzungszonen wieder auf Vorkriegsniveau.

Es setzte ein unvergleichliches Wirtschaftswachstum ein: Das Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf.

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Zuvor war bereits das 12,4-Milliarden-Dollar-Programm, das als Marshall-Plan in die Geschichte einging, am 3. April 1948 vom Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedet und am selben Tag von US-Präsident Harry S. Truman in Kraft gesetzt worden. Es dauerte vier Jahre, bis zum Juni 1952. Im gesamten Zeitraum (1948–1952) leisteten die USA bedürftigen Staaten der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) Hilfen im Wert von insgesamt 13,12 Milliarden Dollar (entspricht heute rund 131 Milliarden Dollar).

In die Köpfe der Deutschen ging dieses Programm als Hilfs- und Freundschaftsleitung der USA für Deutschland ein. Ein für damalige Verhältnisse gigantisches PR-Programm vermittelte den Deutschen: Wir sind eure Freunde, wir helfen euch mit Milliarden von Dollar Deutschland wieder aufzubauen. Der Marshallplan war neben der DM-Einführung die Initialzündung des westdeutschen Wirtschaftswunders – so haben wir es in der Schule gelernt. Doch stimmt das so?

Auf den ersten Blick scheint die schnelle wirtschaftliche Genesung der westlichen Besatzungszone dies zu belegen. Auf den zweiten Blick jedoch wird schnell ersichtlich, dass dieser Plan in erster Linie ein Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft war. Zudem sollte der wirtschaftliche Aufschwung als politisches Instrument gegen das sozialistische System in der sowjetischen Besatzungszone genutzt werden und somit die Sowjetunion schwächen, bzw. daran hindern ihren Einfluss auszubauen. Der Marshallplan war auch ein politisches Instrument des beginnenden kalten Krieges.

Mit riesigen Werbeplakaten und umfangreicher medialer Berichterstattung wurde die angeblich großzügige Hilfe der USA für Deutschland postuliert. Tatsächlich jedoch floss nicht ein Dollar als Hilfe direkt nach Deutschland. Stattdessen finanzierten die USA amerikanische Landwirtschaftsprodukte, wie Baumwolle, Tabak, Saatgut und vieles mehr, die so nach Deutschland exportiert werden konnten. Diese vorrangig landwirtschaftlichen Waren aus den USA wurden von deutschen Firmen zu marktüblichen Preisen gekauft und weiterverarbeitet. Das diesbezügliche Geld für diese Waren von etwa 1,4 Milliarden US$ wurde von den USA an die eigens dafür gegründete KFW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) weitergeleitet, die dieses Geld für Investitionen der deutschen Wirtschaft bereitstellte. Jedoch mussten die Unternehmen diese Kredite mit Zinsen an die KFW zurückzahlen und diese wiederum zahlte dann die Einlage mit Zinsen an die USA zurück.

Somit haben die USA Deutschland bzw. der Bundesrepublik nicht einen einzigen Dollar geschenkt. Ganz im Gegenteil: Der Marschall-Plan war keineswegs uneigennützig, er kurbelte die US-Wirtschaft an und brachte dem US-Staat zudem noch gute Zinseinnahmen.

Deutschland erhielt nur 10,16 Prozent (1,412 Milliarden) der Gesamtsumme des Marshallplanes als Hilfe, Frankreich hingegen erhielt 20,18 Prozent (2,806 Milliarden) und Großbritannien erhielt sogar 24,75 Prozent (3,442 Milliarden). Dennoch fanden in diesen beiden Ländern keine vergleichbaren Wirtschaftswunder statt.

Somit war der Marshallplan kein Freundschaftsdienst der USA an die Deutschen, sondern schlicht ein Masterplan unter dem Motto „Amerika first“, so wie ihn auch der heutige Präsident Trump betreibt.

Hier nur einige Beispiele von Slogans damaliger Plakate: „Amerika hilft Deutschland mit Tabak“, „Marshallplan: Frieden-Freiheit-Wohlstand“, „Es geht vorwärts – Achtung Bauarbeiten durch den Marshallplan“, „Amerika hilft Deutschland mit Textilien – ERP Marshallplan“, „Investitionen – hier hilft der Marshallplan“. Diese Reihe ließe sich durch zahlreiche weitere Slogans fortführen, die alle suggerieren: Die USA hilft Deutschland solidarisch finanziell oder über Warenlieferungen.

Doch wie kam das deutsche Wirtschaftswunder dann zu Stande? Zunächst war die deutsche Industrielandschaft weitaus weniger zerstört worden, als die Alliierten erwartet hatten. Die mächtige Werbekampagne der USA, in Zusammenarbeit mit den konservativen Kräften der westlichen Besatzungszonen, vermittelten den Deutschen den Eindruck, dass Deutschland wieder anerkannt wurde und zudem uneigennützige Hilfe aus den USA erhielt. Viele Deutsche hatten drakonische Strafmaßnahmen erwartet und nun kamen die Amerikaner und halfen angeblich uneigennützig. Es kam neuer Mut auf, der unerlässlich war für das Mammutprojekt „Wiederaufbau“.

Die amerikanischen PR-Maßnahmen zeigten Wirkung! Die Deutschen – zumindest eine Vielzahl von ihnen – glaubte wirklich an die uneigennützige, freundschaftliche Hilfe der USA. Auch heute glauben noch viele Menschen, dass es im Internet uneigennützig vieles umsonst gibt, was auch in Amerika seinen Ursprung hat. Welch ein Irrglaube in einer kapitalistischen Gesellschaft!

Die Deutschen bekamen schnell Elan und Zuversicht in ihre Zukunft, sie besannen sich ihrer sogenannten deutschen Tugenden: Fleiß, Strebsamkeit, Ordnungsliebe und zunächst auch die Hörigkeit auf die Obrigkeit: Jahrzehnte Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus hatten ihre unauslöschbaren Spuren hinterlassen.

Die Westdeutschen halfen sich selbst: Sie bauten wieder auf, forschten, entwickelten, produzierten und vielen wurde schnell klar, dass dies eine einmalige Chance war, zukünftig in Wohlstand zu leben. An Freiheit und Demokratie haben damals wohl nur wenige gedacht, wobei die neugewonnene Freiheit sicherlich die Gedanken an Demokratie bei weitem überwiegten.




Wir vergessen oder verdrängen bis zum heutigen Tage, das Demokratie nur für Leute interessant ist, die eine halbwegs gesichertes Leben und eine ebensolche Zukunft haben.

Im Grunde bezahlte Deutschland also seinen Wiederaufbau selbst.

Den amerikanischen Politikern war die deutsche Mentalität sicherlich bekannt und bewusst. Sie bedienten sich Deutschlands als einen Eckpfeiler ihrer imperialen Politik in Europa. Und diese „politische“ Freundschaft, als deren Fundament von unserer deutschen Politik der Marshallplan gepriesen wurde, hielt bis zum Ende der Ära des US-Präsidenten Obama. Einige erste Risse erhielt sie jedoch schon mit der Wiedervereinigung.

Heute sehen wir in Präsident Trump und seinen Mitstreitern die wahre imperiale USA. Und um uns bei der Freundschaftsstange zu halten, werden in Deutschland gern Ängste geschürt. Jedoch lässt sich Freundschaft nicht verordnen und wenn wir ganz ehrlich sind, so gibt es diese in der Politik auch nur ganz selten: Zweckfreundschaft wäre wohl der zutreffendere Begriff. Doch Deutschland ist ein technikgeprägtes Land – ein Ingenieursland – dass auch in Zukunft technische Produkte von Weltrang entwickeln und produzieren wird.

Ich glaube fest daran: Deutsche Autos, Anlagen, Maschinen und Ausrüstungen werden auch in Zukunft in aller Welt gefragt sein, weil sie qualitativ hochwertig, kreativ und innovativ sind. Wenn es Google, Facebook, Ebay, Amazon und weitere globaler US-amerikanische Internetunternehmen morgen hingegen nicht mehr geben würde, was würde dann wohl geschehen: nach einem kurzen Aufreger wohl nicht recht wenig!